MAZ MONTAG, 31. MAI 2010

Plötzlich rückten alle von ihrem Gönner ab
Kulturverein Theaterwerkstatt feierte Premiere

Von Andrea von Fournier

Rangsdorf – Eine Aufführung der Theaterwerkstatt „Buntspecht“ erstmals unter dem Dach des Rangsdorfer Kulturvereins – das war wohl einer der Gründe, weshalb sich Werkstattleiter und Regisseur Eike Mewes über besonders großes Besucherinteresse freuen konnte. In der Aula der Oberschule stand das Schauspiel „Der Unschuldige“ des gebürtigen Wieners Fritz Hochwälder zur Premiere.
Als Rangsdorfer waren die meisten gespannt, den lange erkrankten Hartmut Klucke wieder spielen zu sehen. Und den sah man in der Hauptrolle des gut situierten, einflussreichen Unternehmers Erdmann, der Klucke wie auf den Leib geschneidert schien. Ein exzellent aufgemachtes Programmheft, die kleine Umfrage zur Pause „Wen halten Sie für den Täter?“ sowie Imbiss und Getränke gaben der Aufführung des sozialkritischen Stückes einen angenehmen, freundlichen Rahmen.
Auf der Bühne entwickelten die Darsteller die Handlung mit sich rasch überschlagenden Ereignissen. Dem selbstsicheren Geschäftsmann, der seine Nächsten, einschließlich Frau und Tochter, wohlwollend-diktatorisch beherrscht, wird eine von der Stadt angeordnete Kanalschachtung in seinem Garten zum Verhängnis. Und das vor dem Frühstück, wo der gnädige Herr nicht belästigt werden will.
Unter Christian Erdmanns bewunderten Rosenbeet wird ein Skelett mit eingeschlagenem Schädel gefunden. Zunächst belächelt Erdmann die Tatsache. Er ist mehr verärgert, dass trotz seiner Eingabe gegraben wurde. Schnell wird klar, dass der Täter im Haus vermutet wird. Eine unausgesprochene Schuldzuweisung steht im Raum. Wer ist das Opfer, wie kam es hierher, und wer schlug zu?
In den drei Akten, die nur an einem Tag handeln, erlebte das Publikum, dass einer nach dem anderen von Erdmann auf Distanz geht. Der Attackierte kann es zunächst nicht glauben, dass man ihm, dem großen Macher und Gönner, so eine Tat zutraut. Dagegen gewinnen die von ihm Abhängigen an Selbstbewusstsein, erinnern sich plötzlich an Worte und Taten des Unternehmers, die ihn in einem gefährlichen Licht erscheinen lassen.
Haushälterin Mizzi, in tragender Nebenrolle und spielerisch glänzend Kimberley Nelson, Nachbar Petternigg, den Ralf Kosmetschke überzeugend verkörpert, und Freund lulius, lebhaft dargestellt von Kathrin Plaschke, rücken von ihm ab. Dann Frau und Tochter. Einen wunderbar überspitzten Amtsrichter gab Fabian Frenzel. Hinterlistig will er Erdmann zur Strecke bringen. Als sich das Blatt wendet, lässt er nichts aus, wie die anderen auch, sich an Christian Erdmann „heranschleimen“.
Das „Buntspecht“ -Ensemble spielte überzeugend und sicher. Ute aus Rangsdorf und ihre Nachbarinnen hatten ihre Freude, fanden das Stück aber etwas lang. Der sichtlich zufriedene und geschaffte Hauptdarsteller Hartmut Klucke freute sich bei der Premierenfeier über viele Glückwünsche. „Spielen war Therapie für mich“, sagte er.

der unschuldige

 

 

 

 

 

 

 

Kimberley Nelson (Mizzi), Hartmut Klucke (Erdmann)

Foto: A.V.F.