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Museumskonzept

MAZ vom 28.02.2012

Ein Museumskonzept muss auf den Tisch

Mietfreie Nutzung der beiden Rangsdorfer Museen läuft bald aus / Künftig soll auch an Persönlichkeiten der örtlichen Geschichte erinnert werden

RANGSDORF – Luftschlösser will man nicht bauen. Aber ein Museumskonzept muss her. Der Kulturverein Rangsdorf und Bürgermeister Klaus Rocher hatten vorige Woche zur Diskussion über die Zukunft der örtlichen Museen geladen. Viele Interessierte kamen – der Termin war nötig, um über Sachstand und Aktivitäten zu kommunizieren.Für das Bücker- und das Eissegel-Museum am See läuft der mietfreie Nutzungsvertrag 2016 aus. „Wir können vom Eintrittsgeld nicht mal die Betriebskosten zahlen“, erklärte Knut Hentzschel, Vorstand des Fördervereins Bücker-Museum. Nur mit Hilfe vieler ehrenamtlich geleisteter Stunden, gelegentlich fremd finanzierten Hilfskräften und durch Verkauf von Andenken-Produkten und Büchern decke man die Kosten. Als neuer Standort fürs Bücker-Museum war außer dem ehemaligen Bibliotheksgebäude (Holzhaus an der Seebadallee) das Bückergelände im Gespräch. Gäbe es dort Infrastruktur, wäre das ein verlockender Ort, so Hentzschel. Mehrfach seien dem Museum Flugmodelle angeboten worden, die man bisher aus Platzmangel stets ablehnen musste.

Die Idee, einen Gedenkort für Jan Baczewski (1890–1958), den zeitweise in Rangsdorf beheimateten deutsch-polnischen Minderheitenpolitiker, zu schaffen, gibt es seit dem Brand seines früheren Wohnhauses. Den Gedanken, ein Eckchen in den bestehenden Museen für Jan Baczewski herzurichten, löste bei den in Rangsdorf wohnenden Enkelinnen Baczewskis Skepsis aus. Gabriela Baczewska: „Neben Heinz Rühmann, der im Krieg mit 35 Filmen auf der Gewinnerseite stand, und ähnlichen ,Größen’ – das fände ich unpassend.“ Darauf erklärte Norbert Kampe, Direktor im Berliner „Haus der Wannseekonferenz“, dass das ein ganz normales Museumskonzept sei. Auch unter seinem Dach seien die Geschichte von Tätern und der Leidensweg der Opfer dargestellt. Sie gehörten ja zusammen, zwangsläufig. Es käme auf die richtige Präsentation an. „So habe ich das noch gar nicht gesehen“, meinte Gabriela Baczewska.

Kulturvereins-Vorsitzende und Moderatorin Sabine von der Bank, Gesprächsteilnehmer wie Norbert und Angelika Kampe, Detlef Schlüpen und Gerlinde Förster lenkten das Augenmerk aufs Wesentliche: Ein Museum muss gut erreichbar sein. Die Ausstellungen sollen nicht nur Außenwirkung entfalten, sondern für Einwohner und vor allem junge Menschen identitätsstiftend sein. Größere Museen kann man nicht nur ehrenamtlich betreiben.

„Ich finde, das Eissegelmuseum gehört an den See, das Bücker-Museum auf das Bückergelände“, sagte Detlef Schlüpen und erntete Zustimmung. Ein Gästehaus der Gemeinde und die Erinnerung an die Familie Ludomer und an Jan Baczewski ließen sich an einem anderen Standort zusammenbringen.

Zurzeit erarbeitet Eva-Maria Fuchs vom Tourismusbüro ein Museumskonzept, spricht mit Vereinen, erfragt Daten und Wünsche. Ein ortsansässiger Architekt ist mit einem Entwurf befasst. In der ersten Jahreshälfte will Rocher beides den Bürgern zur Diskussion stellen. (Von Andrea von Fournier)

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