6. Rangsdorfer Abend | # Kulturverein Rangsdorf e.V.

6. Rangsdorfer Abend

MAZ vom 22. Mai 2013

Begegnung mit einem „Storchenvater“ und Naturschützer

Der Rangsdorfer Kulturverein stellte Bernd Ludwig vor, einen Mann mit Liebe und Verantwortung für die Natur

RANGSDORF –  Weißstorchpaare sind nicht monogam. Fliegt das Männchen als „Westzieher“ ins Winterquartier nach Spanien und das Weibchen wählt die lange Ostroute nach Afrika, dann ist er früher als sie wieder bei uns. Eine Woche wartet er, dann ist eine neue Braut im Horst, wenn die „Alte“ eintrifft. „Prinzesschen“ war so eine „Alte“: Sie kämpfte mit neuen Rivalinnen, fegte Jungtiere und Eier aus dem Nest, legte ihre Eier hinein und wiederholte das mehrfach, bis sie es, wirklich alt, nicht mehr schaffte. Ein Farmer in Südafrika fand das verendete „Prinzesschen“, als es 17 Jahre alt war.

Dass wir so viel über das spannende Leben der Störche erfahren, haben wir Leuten wie Bernd Ludwig zu verdanken. Sie finden, beringen oder statten sie mit Sendern aus, verfolgen die Vögel, dokumentieren und kommentieren mit Sachverstand die Tierwelt. Der ASB-Seniorentreff war übervoll, als „Storchenvater“ Bernd Ludwig jetzt in der Reihe des Kulturvereins „Rangsdorfer Persönlichkeiten“ vorgestellt wurde. Moderatorin Gisela Hoffmann war von den Vorgesprächen mit dem Gast stark beeindruckt: Vorher habe sie sich zwar gefreut, Vögel piepen zu hören, mit Ludwig sei ihr aber jemand begegnet, der scheinbar unendliches Vogel-Wissen habe. Möglichst viel davon an die Rangsdorfer zu bringen, war schwer. Nicht dass Ludwig uninteressant erzählte, es war einfach sehr viel. Die Moderatorin wollte den Ornithologen zu fünf Vogelarten befragen, dabei könnte Bernd Ludwig locker ganze Abende mit der Bartmeise füllen. Dieser kleine Vogel war es, der den jungen Mittenwalder Bio- und Chemielehrer in den 1960er Jahren erstmals zum Rangsdorfer See lockte: „Die Bartmeise war in Brandenburg noch nie gesichtet worden, also kam ich auf einen Tipp hin“, erinnerte er sich. Mit „Japannetzen“ von Westverwandten fing er die Vögel gefahrlos ein und beringte sie, so gelang ihm der Nachweis. Zuvor hatten den Junglehrer Großtrappen nach Mittenwalde gezogen. Heute gibt es dort keine mehr, doch er hat sie noch erlebt, zwei seiner präparierten Exemplare sind im Museum des Teltow zu sehen. Als Bernd Ludwig an seiner Hüfte zeigte, dass Männchen bis einen Meter hoch und 15 Kilo schwer werden, staunte das Publikum. Bei einem Praktikum 1957 im Oderbruch fand der Student Ludwig seine Frau – und die Weißstörche. Beiden blieb er treu. Sich einzugraben, um seltene Vögel zu sehen, auf Dächer zu steigen, bei Landwirten, Touristen und Behörden aufzuklären und um Naturschutz zu werben – das alles wurde so selbstverständlich für den seit 1999 in Rangsdorf Lebenden wie das tägliche Führen ornithologischer Tagebücher.

Vogelschutzgebiet Rangsdorfer See und Flugrouten – ein wichtiges Thema des Gastes. Ludwigs Einschätzung ist klar: Die Gefahr von Vogelschlag ist sehr hoch, die Flugrouten dürfen nicht über den See verlaufen. Ludwig arbeitet in vielen Gremien ehrenamtlich, bekam Lob und Auszeichnungen. Die größte ist für ihn, etwas Handfestes zur Arterhaltung oder Wiederansiedlung getan zu haben. (Von Andrea von Fournier)