Verbotene Liebe in einem Zwergstaat | # Kulturverein Rangsdorf e.V.

Verbotene Liebe in einem Zwergstaat

MAZ vom 22.09.2013

„Buntspechte“ begeistern in Groß Machnow mit „Romanoff und Julia“
Maskenball in einem neutralen, namenlosen Zwergstaat in Europa. Julia (Sabine Hess) und Igor (Julian Gebauer) haben sich gefunden und breiten in zärtlichen Worten Liebesschwüre voreinander aus. Sie sind die zentralen Figuren in „Romanoff und Julia“.

Gross Machnow. Ein Problem für die jungen Leute: Sie sind zwar ungebunden, doch nicht in politischem Sinne. Igor ist Sohn des russischen und Julia die Tochter des amerikanischen Botschafters. Es ist Kalter Krieg und die beiden Liebenden können wie in Shakespeares literarischer Vorlage nicht einfach zueinander kommen.
Dramatische Verwicklungen in den Familien und Botschaften der Eltern, urkomische Situationen und die diplomatischen Schachzüge des Präsidenten des Zwergstaates (Detlef Schlüpen), um dem Paar einen gemeinsamen Weg zu eröffnen, hat das Ensemble der Theatergruppe „Buntspecht“ mit der Komödie „Romanoff und Julia“ von Peter Ustinov aufgegriffen und auf die Bühne im Gutshaus Groß Machnow gebracht.
Zur Premiere waren fast alle Karten im Vorverkauf weggegangen und auf die wenigen reservierten Plätze warteten bereits Besucher an der Abendkasse. Es mussten zusätzliche Stühle bereitgestellt werden.
Regisseur Eike Mewes, der das Stück für sein Ensemble bearbeitet hat, Laiendarsteller und fleißige Helfer vom Kulturverein freute es. Wie in den vergangenen Jahren sorgte Detlef Schlüpen für die Kulissen und mit Thomas Witt für Licht, Ursula Klucke soufflierte und Kimberley Nelson kümmerte sich um Kostüme und Requisiten. Das Publikum war schon vor der Öffnung des Vorhangs auf Tuchfühlung mit der politischen Situation: In russischer Uniform strich ein Spitzel durch die Besucherreihen, stellte zackig Fragen und notierte scheinbar Antworten auf einem kleinen Block. Andrea Klucke schien die Rolle des gestrengen Militärs auf den Leib geschneidert. Die Uniformen stellte der Rangsdorfer Military-Sammler Wolfgang Damitz zur Verfügung und Detlef Schlüpen zeigte augenzwinkernd, dass er seine Mütze statt mit Stern mit witzigem Lach-Mund-Pin versehen hatte.
Auf der meist zweigeteilten Bühne entwickelte sich ein turbulentes Geschehen bei den amerikanischen und russischen Diplomaten, nachdem man „den Schaden“, also die Liebe der Kinder, entdeckte. Hektisch grübeln Eltern, Berater und der russische Spitzel, wie man den Skandal vermeidet, weil nicht sein kann, was im (Kalten) Krieg nie sein darf eine Liaison mit dem Feind. Ganz zu schweigen davon, dass die beiden „Königskinder“ schon jeweils einem anderen versprochen sind.
Der neutrale Präsident hat eine Idee, wie alle Beteiligten ihr Gesicht behalten und die jungen Leute zueinander finden können. Ob das klappt? Dem Zuschauer bleibt überlassen, auf welches Land er das Stück beziehen will. Wie einfach diplomatische Verwicklungen mit Verstand und Willen zu lösen wären, kommt klar zum Ausdruck. Kimberley Nelson lieferte eine überzeugende Diplomatengattin ab, Siegfried Fiedler war als viel zu charmanter russischer Gesandter ein glaubwürdiger Botschafter: Eigentlich spielen wir hier alle nur ein vordiktiertes Spiel! Live-Musik von Monika Kosmetschke (Flöte) und Andrea Bigalke (Akkordeon) unterstrich das Geschehen wunderbar. Die Freude, die die Schauspieler bei ihrer ersten Komödie hatten, war auf das Publikum übergesprungen.
Die nächsten Vorstellungen, alle im Gutshaus Groß Machnow, gibt es am 18. und 19. Oktober um 19 Uhr und am 20. Oktober um 17 Uhr, Kartenvorverkauf (8 Euro) im Tourismusbüro im Rathaus Rangsdorf.
Von Andrea von Fournier