Slawenburg und Silberberg | # Kulturverein Rangsdorf e.V.

Slawenburg und Silberberg

MAZ vom 30.10.2012

Die Geschichtswerkstatt Rangsdorf lud zu einem Spaziergang durch 12 000 Jahre Geschichte ein

RANGSDORF – Zwölf Jahrtausende flogen an den Zuhörern vorbei. Die promovierte Archäologin Johanna Brather vom „Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum“ stellte in der vorigen Woche in Wort und Bild Funde von der Altsteinzeit bis zum Mittelalter in Rangsdorf und Umgebung vor.

Seit mehr als drei Jahren trifft sich auf Einladung der Geschichtswerkstatt Rangsdorf, einem Zweig des Kulturvereins, eine wachsende Schar historisch interessierter Einwohner. Johanna Brather konnte aus dem Vollen schöpfen, gilt unsere Region doch als fundreich. Hier siedelten seit jeher Menschen – an einstigen Fließen und auf sandigem Boden, der zwar nicht sehr fruchtbar, aber per Handpflug gut zu bearbeiten war. Das Publikum horchte besonders auf, als die Referentin auf den Silberberg bei Groß Machnow zu sprechen kam. Viele hatten diesen Namen nie gehört. Dort, wo sich heute Schweinemast- und Biogasanlage der Agrargenossenschaft befinden, gab es seit dem Mittelalter immer wieder Siedlungen, „was sich in unheimlich vielen Funden widerspiegelt“, so Johanna Brather. Daher stammt wohl auch der Name Silberberg. Gewandnadeln und anderer Schmuck, Scherben und Leichenbrandreste kamen bei Grabungen zutage.

Nicht weit davon in Richtung Mittenwalde stand eine Burg – keine steinerne aus dem Mittelalter, sondern eine sogenannte Slawenburg. Etwa ab dem 7. Jahrhundert kamen Slawen in unsere Gegend und bauten auch diese Wallanlage, mit der sie sich vor Angreifern schützten. Heute ist davon nichts mehr übrig. Nur der Ausdruck „Burgwallwiese“ erinnert daran. Im 11. Jahrhundert sollen die Menschen die Burg aufgegeben und in eine offene Siedlung umgezogen sein.

Groß Machnow war offenbar in früheren Zeiten stärker besiedelt als Rangsdorf. Doch auch dort gab es 2005 eine spektakuläre Entdeckung. An der Zabelsbergpromenade stieß ein Archäologe auf ein Körpergrab. Es enthielt die Knochen eines zehn Jahre alten Jungen, der vermutlich um das Jahr 400 nach Christi an einer Hirnhautentzündung starb. „Wahrscheinlich gibt es dort noch mehrere Gräber“, glaubt Johanna Brather. Doch gebuddelt wird nur, bevor eine Fundstelle durch eine Baumaßnahme unwiederbringlich zerstört wird.

„In Rangsdorf warten wir noch auf mehr aufschlussreiche Funde, zum Beispiel auf mittelalterliche Keller“, so die Archäologin. (Von Gudrun Schneck)